Theilnahme eines getreuen Dieners war, den die schlimmenNachrichten, die er seinem Herrn mitzutheilen hatte, tief be-trübten, oder die Schadenfreude eines Henkers, der mit ge-zücktem Schwerte vor seinem Schlachtopfer steht und seinenStreich verschiebt, bis er die Stelle ausgemittelt hat, wo eram schmerzlichsten empfunden wird. In Guarine's Geist, dervielleicht durch den zuvor geäußerten Verdacht befangen war,gewann die letztere Meinung ein so entschiedenes Uebergewicht,daß er in Versuchung gerieth, seinen Stab zu erheben undden Diener zu Boden zu schlagen, der auf diese Art an denverlängerten Leiden ihres gemeinsamen Gebieters seine Lustzu haben schien.
Endlich durchzuckte eine convulstvische Bewegung des Con-stabels Stirne, und als Guarine ein sardonisches Lächeln Vi-dals Lippen krümmen sah, so konnte er nicht länger schwei-gen, „Vidal," sagte er, „du bist ein —"
„Ein Ueberbringer böser Nachrichten," sagte Vidal ihn un-terbrechend, „und deßwegen der Mißdeutung eines jeden Nar-ren ausgesetzt, der den Urheber des Bösen nicht von demje-nigen unterscheiden kann, der es ungern verkündet-"
„Wozu dieser Aufschub?" sagte der Constabel — „kommt,Herr Minstrel, ich will Euch eine Pein ersparen — Evelinehat mich vergessen?"
Der Minstrel gab durch eine tiefe Verbeugung seine Zu-stimmung.
Hugo von Lacy ging einige Schritte vor dem steinernenMonumente auf und ab, und suchte die tiefe Bewegung sei-nes Innern zu meistern. „Ich verzeihe ihr," sagte er. „Ver-zeihen, sagte ich? — Ach, ich habe nichts zu verzeihen, siegebrauchte bloß das Recht, das ich ihr in die Hand gab —Die Verlobte». 28