424
und niedergeschlagenen Gesichtern an, während Monthermersein Pferd von dem Schloßthore wcglcnkte und seine Lanzeerhebend ausrief: „Wenn ich mich wieder der Karste stoloureussnähere, so werde ich den Befehl meines Souveräns nicht bloßverkünden, sondern in Ausführung bringen."
Während Eveline nachdenkcnd da stand, dem abziehendenMonthermer und seinen Gefährten nachblickend und bedenkend,was in dieser dringenden Noth zu thun sei, hörte sie einenFlamänder mit leiser Stimme einen neben ihm stehenden Eng-länder fragen: was denn eigentlich ein Verräther sei.
„Einer, der ein ihm anvertrautes Pfand verrät-, ist einVerräther," sagte der Erklärer.
Diese Worte erinnerten Evelinen an das unheilvolle Ge-sicht in Baldringham. „Ach!" sagte sie, „bald wird die Rachedes bösen Geistes vollendet sein. Als Gattin, Wittwe, undals Mädchen Weib — diese Beiwörter haben mir schon längstgebührt. Verlobt! wehe mir! das ist der Schlußstein meinesSchicksals — als Vcrrätherin bin ich jetzt angeklagt, obschon,Gott sei Dank, ich von dieser Schuld frei bin. Ich darf jetztnur noch verrathen werden, und die döse Prophezeihung istbuchstäblich erfüllt."