wohl zu großen Anstrengungen aufmuntern konnte. Mitihrem Dolche schaffte sie die Erde und den Rasen hinweg —mit ihren Händen, die an eine solche Arbeit nicht sehr ge-wöhnt waren, entfernte sie verschiedene Steine und rückte inihrem Geschäfte so weit vor, daß ein schwacher Schimmerdes Tages und, was vielleicht eben so schätzbar war, einereinere Luft zu ihr hereindringen konnte. Allein zu gleicherZeit hatte sie das Unglück, sich zu überzeugen, daß sie einesUngeheuern Felsenstückes wegen, welches das Ende des Aus-gangs verschloß, alle Hoffnung aufgeben mußte, ohne fremdeBcihülse aus dieser Höhle zu entkommen. Doch war ihreLage durch das Hereindringen der Luft und des Tageslichtes,so wie durch die Möglichkeit, um Hülfe zu rufen, merklichverbessert-
Ihre Hülferufe blieben aber anfänglich fruchtlos — dasSchlachtfeld war wahrscheinlich den Tobten und Sterbendenüberlassen worden; denn ein leises und schwaches Acchzcnwar eine Zeitlang die einzige Antwort, die ste erhielt. Alssie endlich ihre Ausrufe wiederholte, antwortete ihr eineStimme, die so schwach war, wie die eines Menschen, dereben erst aus einer Ohnmacht erwacht ist: „Edris, aus demunterirdischen Hause, rufst du aus deiner Gruft demElenden, der in diesem Augenblicke in seine eigene hinabsährt?— Sind die Schranken, welche mich mit den Lebendigen inVerbindung setzten, schon niedcrgeriffen und höre ich schonmit fleischlichen Ohren die schwachen Klagelaute der Tobten."
«Es ist kein Geist, der hier spricht," erwiederte Eveline,hoch entzückt, daß sie endlich einem lebenden Wesen ihr Da-sein kund thun konnte- — «Kein Geist, sondern ein höchst un-glückliches Mädchen, Eveline Verenger mit Namen» eioge-
Die Verlobten. 24