367
daß sie in ein unterirdisches Gewölbe von sehr mäßigem Um-fange eingesperrt war. Ihre Hände, mit denen sie in demKerker umhergriff, stießen bloß auf alte Metallstücke, und aufeine Substanz, die sie in einem andern Augenblicke mitSchauder und Entsetzen erfüllt haben würde, da es in derThat die modernden Gebeine eines Tobten war; jetzt aberkonnte selbst dieser Umstand ihre Bangigkeit nicht vergrößern:denn sie glaubte sich hier eingemauert, um eines elenden undjämmerlichen Todes zu sterben, während ihre Freunde undBefreier wahrscheinlich nur einige Schritte von ihr entferntwaren. Wild schleuderte sie ihre Arme umher, um ir-gend eine Oeffnung zu finden, aber alle ihre Anstrengungen,aus der gewaltigen Verschanzung zu entkommen, waren sounwirksam, als ob sie gegen den Dom einer Kirche gerichtetgewesen wären.
Der Lärm, den sie zuerst vernommen hatte, vergrößertesich schnell, und in einem Augenblicke schien es, als ob dieDecke des Gewölbes, unter welcher sie sich befand, von wie-derholten Streichen, oder gegen dieselbe geworfenen Stein-maffen, erbebte. Unmöglich hätte ein menschliches Wesen die-sen Schrecknissen, die so unmittelbar auf dasselbe einwirkten,widerstehen können; allein glücklicher Weise dauerte diese ent-setzliche Lage nicht lange. Dumpfere und in der Ferne er-sterbende Töne bewiesen, daß die eine oder die andere derParteien sich zurückgezogen hatte; und endlich trat eine tiefeStille ein.
Eveline ward nun der ungestörten Betrachtung ihrer trau-rigen Lage überlassen. Das Gefecht war vorüber, und wiesie aus den Umständen schloß, hatten ihre Freunde gesiegt;denn im andern Falle würde sie der Sieger, wie er ihr zuverstehen gegeben hatte, aus ihrem Gefängnisse abgeholt, und