Ferne von mir hören werdet, das was Ihr von mir sehensollt, wenn ich Euch nahe bin — Euren Empfindungen einezärtlichere Wärme, als fie gegenwärtig ausdrücken, verleihenwird; und tadelt mich indessen nicht, daß ich Euren Treu-schwur von Neuem unter den Bedingungen, welche Ihr aus-gesprochen habt, empfange. Ich weiß wohl, daß meine Be-werbung in eine zu späte Zeit meines Lebens gefallen ist, alsdaß ich die der jugendlichen Leidenschaft eigene lebendige Ge-genliebe erwarten dürfte. — Tadelt mich nicht, wenn ichmich mit jenen ruhigern Gefühlen begnüge, welche das Lebenglücklich machen, ob fie schon die Entzückungen der Leidenschaftnickt gewähren. Eure Hand ruht in der meinigen, allein fieerwiedert meinen Druck nicht — ist es möglich, daß fie daszu bestätigen sich weigert, was Eure Lippen ausgesprochenhaben."
„Niemals, edler de Lacp," sagte Eveline, mit größererWärme, als sie bis jetzt gezeigt hatte; auch schien es, daßihr Ton endlich ziemlich aufmunternd war, da ihr Liebhabersich sogar erkühnte, ihre Lippen selbst zu Bürgen seines Glückeszu nehmen.
Mit einem gewissen, mit Ehrfurcht vermischten, Stolzewandte sich de Lacp, als er dieses Pfand der Treue erhaltenhatte, zur Aeblisfin, um ihren Zorn zu besänftigen. „Ichhoffe, ehrwürdige Mutter," sagte er, „daß Ihr Eure früherngünstigen Gesinnungen gegen mich wieder annehmen werdet,die, wie ich sehe, nur durch Eure zärtliche und ängstliche Be-sorgniß für das Wohl derjenigen, welche uns Beiden so theucrsein muß, gestört worden sind. Laßt mich hoffen, daß ich dieseschöne Blume unter dem Schutze der geehrten Frau, die ihrenächste Blutsverwandte ist, zurücklaffen kann, da fie stets