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24 (1852) Die Verlobten
Entstehung
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- der so dünn war, daß er sie, gleich der nebelichten Wolke,die gewöhnlich um das Antlitz eines Seraphs gemalt wird,umschwebte. Allein obschon EvelinenS Angesicht in Betreffder Schönheit eines Engels nicht unwürdig war, so war esdoch in diesem Augenblick weit entfernt, an Ruhe des Aus-drucks dem eines Seraphs zu gleichen. Ihre Glieder zitter-ten, ihre Wangen waren bleich und das Roth um ihre Augen-lieder zeugte von erst kürzlich geflossenen Thränen; allein un-geachtet dieser natürlichen Zeichen der Bekümmerniß und derUngewißheit herrschte doch die tiefste Ergebung der festeEntschluß, ihrer Pflicht bei allen Vorfällen treu zu bleibenin dem feierlichen Ausdrucke ihrer Augen und Augenbraunen,und zeigte ihre Bereitwilligkeit, die Unruhe zu beherrschen,die sie nicht gänzlich unterdrücken konnte- Und so gut warendiese entgegengesetzten Eigenschaften Furcht und Entschlos-senheit auf ihrer Wange vermengt, daß Eveline, in demhöchsten Stolze ihrer Schönheit, nie bezaubernder erschienenwar, als in diesem Augenblicke. Hugo de Lacp, der bisherein so leidenschaftloser Liebhaber gewesen war, stand nun vonso mächtigen Gefühlen durchbebt vor ihr, als ob sich in ihnenalle Uebertreibungen der Romantik verwirklicht hätten, undseine Gebieterin eine Bewohnerin höherer Sphäre wäre, de-ren Ausspruch ihm Glückseligkeit oder Elend, Leben oder Todverkündete.

Von solchen Gefühlen beherrscht, sank der Krieger vorEvelinen auf ein Knie nieder, ergriff die Hand, die sie ihmnicht sowohl reichte als überließ, drückte sie inbrünstig anseine Lippen, und bethaute sie mit einer der wenigen Thrä-nen, die man ihn je vergießen sah. Allein obgleich durch eineplötzliche Regung überrascht und zur Untreue gegen seinenCharakter verleitet, gewann er doch seine Fassung wieder,