Druckschrift 
24 (1852) Die Verlobten
Entstehung
Seite
301
Einzelbild herunterladen
 

Kälte der Aebtissin beleidigt zu scheinen, »daß Lady Evelinediese höchst unglückliche Veränderung der Umstände ohne Er-schütterung ich wollte sagen ohne Mißfallen vernommenhat."

Sie ist die Tochter eines Verenger, Mylord, und wirsind gewohnt, einen Treubruch zu strafen, oder ihn zu verach-ten nie aber uns wegen desselben zu grämen. Was meineNichte in diesem Falle thun wird, weiß ich nicht. Ich bineine Dienerin der Religion, abgeschieden von der Welt, undmöchte zum Frieden und zur christlichen Verzeihung mit einergebührenden Verachtung gegen die unwürdige Behandlung,die ihr widerfahren ist, rathen. Sie hat Zweifelsohne An-hänger, Vasallen und Freunde, so wie Rathgeber, die Ihrwohl nicht, in blindem Eifer für weltliche Ehre, rathen wer-den, diese Kränkung ruhig hinzunehmen, sondern im Gegen-theil ihre Zuflucht zur Gerechtigkeit des Königs oder zu denWaffen der Lehnsleute ihres Vaters zu nehmen, wofern Ihrnicht durch die Vernichtung des Ehecontracts ihre Freiheitwieder crtheilt. Allein hier kömmt sie, um für sich selbst zuantworten."

Einundzwanzigstes Kapitel.

In demselben Augenblicke erschien Eveline, auf Rosa'sArm gelehnt. Sie hatte seit dem Verlöbnisse die Trauer ab-gelegt und trug nun ein weißes Mieder und ein dunkelblauesOberkleid. Ihr Haupt bedeckte ein Schleier von weißem Flor,