295
„Da es sich so verhält, Renault," sagte der Constabel, „sosollst du mich begleiten, und ich will dem Vorsteher meinesHaushalts auftragen, dafür zu sorgen, daß du einigermaßendeinem Stande gemäß, jedoch anständiger und ordentlicherals gegenwärtig, gekleidet wirst. Verstehst du dich darauf,eine Waffe zu führen."
„So ziemlich, gnädiger Herr!" sagte der Armoricancr. Zugleicher Zeit nahm er ein Schwert von der Wand, zog es,machte einen Gang, und kam dem aus dem Lager sitzendenConstabel so nahe damit, daß er mit den Worten ausfuhr:„Bösewicht halt ein!"
„Seht Ihr, edler Herr," erwiederte Vidal, in aller De-mut- seine Waffe senkend — „ich habe Euch bereits eineProbe von einem Kunstgriffe gegeben, der sogar Eure Erfah-rung in Bestürzung gebracht hat — ich kenne noch hundertandere."
„Das mag sein," sagte de Lacy, etwas darüber beschämt,daß er sich durch die plötzliche und rasche Handlung des Gauk-lers hatte erschrecken lassen, „allein ich scherze nicht gernemit schneidenden Werkzeugen und habe zu viel im Ernstemit Schwert und Schwertstreichen zu thun, um mit ihnentändeln zu können; unterlaßt daher diese Dinge, und ruftmir meinen Knappen und meinen Kämmerling, denn ich binim Begriffe mich anzukleidcn und zur Messe zu gehen."
Als die religiösen Pflichten des Morgens beendigt waren,beschloß der Constabel, die Aebtissin zu besuchen und sie mitder gehörigen Vorsicht und den erforderlichen Milderungenvon der veränderten Stellung zu benachrichtigen, in die er,ihrer Nichte gegenüber, getreten war, da man ihn zu demEntschlüsse genöthigt hatte, nach dem heiligen Lande abzu-ziehen, bevor seine Ehe mit Evelinen vollzogen war. Er war