Druckschrift 
24 (1852) Die Verlobten
Entstehung
Seite
242
Einzelbild herunterladen
 

242

seligkeit Evelinens, erhöhte diese Gefühle durch ihre einleuch-tenden Vorstellungen. Obwohl sie eine Nonne und Gottge-weihte war, so hielt sie doch den heiligen Stand der Ehe inEhren, und begriff so viel von ihm, daß sie einsah, seine wich-tigen Zwecke können nicht erreicht werden, so lange das ganzekuropälsche Festland das Ehepaar trenne; denn was einenWink betraf, wodurch der Constabel den Wunsch verrieth,seine junge Gattin möchte ihn in die gefährlichen und sitten-losen Umkreise des Lagers der Kreuzfahrer begleiten, sokreuzte sich die gute Dame mit Abscheu, als sie den Vorschlaghörte, und gestaltete nie, daß man ihn ein zweites Mal inihrer Gegenwart zur Sprache brachte-

Es war jedoch nichts Ungewöhnliches, daß Könige, Fürstenund andere Personen von hohem Range, die sich durch einfeierliches Gelübde zur Befreiung Jerusalems verpflichtethatten, auf gehöriges Ansuchen bei der römischen Kirche Auf-schub, ja selbst eine gänzliche Freisprechung von ihren cinge-gangenen Verpflichtungen erlangten. Der Constabel warüberzeugt, daß seine Bitte, in England bleiben zu dürfen,durch das Ansehen und den Einfluß seines Souverains nichtwenig unterstützt werden würde; denn er war der Edle, dessenTapferkeit und Klugheit Heinrich hauptsächlich die Vertheidi-gung den viclbewegten walliser Gränzen anvertraut hatte,und cs war ihm überhaupt keineswegs lieb, daß ein so nütz-licher Unterthan je das Kreuz nahm.

Es wurde daher zwischen der Aebtissin und dem Constabelim Geheimen beschlossen, daß der Letztere in Rom und beidem päpstlichen Legaten in England um eine wenigstens zwei-jährige Lossprechung von seinem Gelübde nachsuchen sollte.Kaum hielt man es für möglich, daß diese Bitte einem Manneseines Einflusses und Reichthums verweigert werden könne.