sich nie ganz von einer geheimen Furcht vor ihm lossagen,die sie verhinderte, seine Bewerbung geradezu zurückzuweisen,sie aber auch manchmal mit einem unwillkürlichen Schaudererfüllte, wenn ihr der Gedanke, daß sie seine Gattin werdensollte, in den Sinn kam.
Die unheilvollen Worte: Verrätherin und verrathen, tra-ten dann vor ihre Seele; und als ihre Tante (denn, die Zeitder tiefsten Trauer war nun vorüber) den Zeitpunkt ihrerVerlobung festgesetzt hatte, so sah sie ihm mit einem gewissenEntsetzen entgegen, von welchem sie sich selbst keine Rechen-schaft ablegen konnte, und das sie, so wie ihren Traum, sogardem Vater Aldrovand bei der Beichte verhehlte. — Es warkein Widerwille gegen den Constabel — noch viel wenigerVorliebe für irgend einen andern Bewerber — sondern einejener instinktmäßigen Regungen und Empfindungen, durchwelche die Natur uns vor einer herannaHenden Gefahr zuwarnen scheint, ob fie uns schon über ihre Beschaffenheit keinenäheren Aufschlüsse ertheilt, noch uns die Mittel, ihr zu ent-rennen, an die Hand gibt.
So erschütternd waren diese Anwandlungen von Furchtund Besorgniß, daß wären sie, wie früher, durch die Vor-stellungen Rosa Flammocks unterstützt worden^ sie vielleichtjetzt noch Evelinen bewogen haben würden, einen der Bewer-bung des Constabel ungünstigen Entschluß zu fassen. Alleinnoch besorgter für die Ehre ihrer Gebieterin, als selbst fürihre Glückseligkeit, hatte sich Rosa strenge jeden Versuch unter-sagt, EvelinenS Vorsatz anzugrcifen, als sie einmal de Lacy'sBewerbungen genehmigt hatte; und was sie auch hinsichtlichder beabsichtigten Vermählung dachte oder anticipirte, — vondiesem Augenblicke an — schien fie sie als ein Ereigniß zubetrachten, das nothwendig statt haben müsse.