Druckschrift 
24 (1852) Die Verlobten
Entstehung
Seite
234
Einzelbild herunterladen
 

234

Das Gespenst beugte sich bei diesen Worten über mich -in,und senkte seine blutigen Finger, als ob es mein Gesicht be-rühren wollte. Da gab mir der Schrecken plötzlich die Kraft,deren er mich zuvor beraubt hatte. Ich schrie laut auf *

das Fenster des Gemachs wurde mit lautem Geräusch auf-gerifsen und allein warum soll ich dir alles dies erzäh-len, Rosa, da du durch die Bewegungen deiner Augen unddeiner Lippen so deutlich zu verstehen gibst, daß du michfür eine einfältige und kindische Träumerin hältst "

Zürnet nicht, meine theure Ladp." sagte Rosa,ich glaubein der That, daß die Here, welche wir Mara°>) nennen,mit Euch zu schaffen gehabt hat; allein sie wird, wie Ihrwißt, von den Acrzten für kein wirkliches Gespenst gehalten,sondern bloS für ein Geschöpf unserer durch Ursachen, welcheaus körperlicher Unpäßlichkeit entspringen, in Unordnung ge- '

rathenen Einbildungskraft."

Du bist ein gelehrtes Mädchen," sagte Eveline ärgerlich;

allein, wenn ich dich versichere, daß mir mein guter Engelin menschlicher Gestalt zu Hülfe kam daß bei seiner Er-scheinung der Feind verschwand, und daß er mich auf seinenArmen aus dem Schreckenszimmer trug, so wirst du wohlals eine gute Christin meiner Erzählung mehr Glauben bei-meffen."

Gewiß! gewiß! meine theuerste Gebieterin, ich kann nicht;"erwiederte Rosa,gerade der Erscheinung dieses Schutzengelswegen halte ich das Ganze für einen Traum. Eine nor-männische Schildwache, die ich selbst zu diesem Ende von -

ihrem Posten abrief, kam Euch zu Hülfe; sie brach in EuerGemach ein, und brachte Euch in dasjenige Zimmer, in welchem

*) Der Alp.