Druckschrift 
24 (1852) Die Verlobten
Entstehung
Seite
233
Einzelbild herunterladen
 

233

die Furcht allein, selbst ohne die Schrecknisse einer wahrenErscheinung, meine Anmaßung mit Wahnsinn hätte bestrafenkönnen; aber in des Himmels Namen, was saht ihr an die-sem gräßlichen Orte?"

Ja, das ist eben die Frage," sagte Eveline, die Handan die Stirne legend,wie konnte ich Zeuge dessen sein, wasich so deutlich sah, ohne meinen Verstand und meine Besin-nung einzubüßcn! Ich hatte die vorgeschriebenen Gebetehergesagt, und auf dem mir angewiesenen Lager sitzend, die-jenigen meiner Kleider abgelegt, die mich an meiner Ruhehätten hindern können kurz ich hatte die erste Erschütte-rung überwunden, die mich beim Hereintreten in dieses ge-heimnißvolle Zimmer überfiel, und ich hoffte die'Nacht in einemso gesunden Schlummer, als meine Gedanken unschuldig wa-ren, zuzubringen. Allein meine Erwartung ward schrecklichgetäuscht. Ich kann nicht bestimmen, wie lang ich geschlafenhatte, als mein Busen durch ein ungewöhnliches Gewichtniedergedrückt wurde, das meine Stimme zu ersticken, denSchlag meines Herzens zu hemmen, und mir das Athem-schöpfen unmöglich zu machen schien; und als ich aufblickte,um die Ursache dieser furchtbaren Beklemmung zu entdecken,so zeigte sich mir über meinem Lager die Gestalt der ermor-deten brittischen Matrone in mehr als Lebensgröße, mit einemGesichte, in welchem würdevolle und schöne Züge mit einemwilden Ausdrucke rächerischer Wonne vereinigt waren. Sie hieltdie Hand, welche die blutigen Zeichen der Grausamkeit ihresGatten an sich trug, über mir, und es schien, als ob sie, michder Vernichtung weihend, das Zeichen des Kreuzes mache. Zugleicher Zeit sprach sie in einem überirdischen Tone die Worte:

Als Gattin Wittwe, und als Mädchen Weib,

Verlobt, Verräthcrin und verrathen.