Druckschrift 
24 (1852) Die Verlobten
Entstehung
Seite
94
Einzelbild herunterladen
 

94

Stimme kenntlich; auch nahm er ungestüm und ängstlich zu-gleich seine Stahlhaube ab, und enthüllte so sein Gesicht.

Vater," sagte Eveline,was soll das heißen? Habt Ihrdas Vertrauen auf den Himmel, das Ihr stets anzuempfeh-lcn pflegt, vergessen, daß Ihr andere Waffen, als diejenigenanlegt, die Euch Euer Orden anweist?"

Nächstens kann hierzu kommen," sagte Vater Aldro-vand;denn ich war Soldat, ehe ich Mönch war. Alleindießmal habe ich diese Rüstung angelegt, um Verrath zu ent-decken, nicht aber, um der Gewalt Widerstand zu leisten.Ach! meine geliebte Tochter! wir find in einer schrecklichenBedrängniß Feinde draußen Verräther von innen! derfalsche Flamänder, Wilkin Flammock, unterhandelt wegen derUebergabe der Burg."

Wer wagt es, so zu sprechen?" rief eine verschleierteweibliche Gestalt aus, die bisher unbemerkt in einer abgelege-nen Ecke der Kapelle gekniet hatte, nun aber plötzlich auf-fuhr und sich kühn zwischen Lady Eveline und den Mönchstellte.

Gehe von dannen, du vorwitziges Gefchöpfchen," sagteder Mönch, über diese kühne Unterbrechung erstaunt;dieSache geht dich nichts an."

3a sie geht mich an," sagte das Fräulein, ihren Schleierzurückschlagend, und das jugendliche Gesicht Rosa's, der Toch-ter Wilkin Flammock's enthüllend. Ihre Augen funkelten undihre Wangen waren von Zorn entflammt, dessen Heftigkeiteinen auffallenden Contrast mit der höchst schönen Gesichtsbil-dung und den beinahe kindlichen Zügen der Sprecherin bil-dete, deren ganzes Aussehen das eines kaum erst aus derKindheit -erausgetretenen Mädchens war, und deren Beneh-