23
sich durch den Heirathsantrag des Beherrschers von hundertBergen höchst geschmeichelt und geehrt fühlen.
Es stand zwar noch ein anderes Hinderniß im Wege, dasin spätem Zeiten von ziemlich großer Bedeutung gewesen seinwürde — Gwenwpn war bereits verheirathet- Allein Brengwainwar eine kinderlose Gattin; Souveräne (und zu den Souve-ränen rechnete sich der walliser Fürst) heirathen um Nachkom-men zu erhalten, und es hatte nicht den Anschein, als werdeder Papst Bedenklichkeiten machen, wo es sich davon handelte,einen Fürsten zu verbinden, der das Kreuz mit so bereitwilli-gem Eifer genommen hatte, obschon in der That seine Ge-danken weit mehr auf Kurse souloureuse, als auf Jerusalemgerichtet waren. Sollte indessen Raymond Verenger nichtfreisinnig genug sein, um seiner Tochter zu erlauben, einst-weilen den Rang einer Beischläferin einzunehmen (denn diewalliser Sitten berechtigten Gwenwpn zu einem solchen Aner-bieten), so durfte er nur noch einige Monate warten, und in-dessen bei dem römischen Hofe durch den Bischof von St. Da-vids oder irgend einen anderen Fürsprecher um eine Eheschei-dung nachsuchen lassen.
Diese Gedanken in seinem Geiste bewegend, verlängerteGwenwpn seinen Aufenthalt auf Verengers Burg vom Christ-feste bis zum Tage der heiligen Dreikönige, und duldete dieGegenwart der normännischen Ritter, die sich in Raymondsfestlichen Hallen versammelten, obwohl sie, in Betracht ihrerRitterwürde den mächtigsten Monarchen sich gleichstellend, diealte Abkunft des walliser Fürsten, der in ihren Augen bloßdas Haupt einer halbbarbarischen Provinz war, nicht gar hochanschlugcn. Dagegen hielt sie der walliser Fürst für wenigmehr als für eine Art privilegirter Räuber, und nur mitgroßer Mühe konnte er sich enthalten, seinen Haß gegen sie