hatte einen so rastlosen und stolzen Geist in den Schlaf zulullen vermocht. Wahr ist es, ihre Ermahnungen hatten mehrbewirkt, als GwcnwynS Anhänger für möglich gehalten hat-ten. Der Erzbischof hatte den brittischcn Häuptling bewogen,gemeinschaftliche Mahlzeiten und Jagdbelustigungen mit seinemnächsten und bisher größten Feinde, dem alten normannischenKrieger Sir Raymond Verenger, anzustellen. Manchmal ge-schlagen, manchmal siegreich, nie aber bezwungen, hatte dieser,trotz der wüthenden Angriffe Gwenwyns, seine Burg, Knrüeäouloureuse (SchmerzenSwache) an den Gränzen von Waleszu behaupten gewußt. Diesen von Natur und Kunst wohlbefestigten Platz hatte der walliser Fürst weder durch offeneGewalt, noch durch List einzunehmcn vermocht, und oft hatteder Umstand, daß die starke in dem Schlosse liegende Besatzungseinen Rückzug höchst gefährlich machte, seine Einfälle ge-hemmt.
Dcßwegen hatte Gwenwyn von Powyöland mehr als hun-dertmal den Tod Raymond Verengers und die Zerstörungseiner Burg geschworen; allein die Klugheit des verschlagenenalten Kriegers, und seine Kenntniß aller Kriegslisten, warenso groß, daß er mit Hülfe seiner mächtigeren Landsleute allenVersuchen seines wilden Nachbars Trotz bieten konnte. Wennes daher in England einen Mann gab, den Gwenwyn mehrals einen andern haßte, so war es Raymond Verenger. Unddoch konnte der gute Erzbischof Baldwin den walliser Fürstenso weit bringen, daß er ihm die Freundeshand reichte und sichmit ihm für die heilige Sache des Kreuzes verband. JaRaymond wurde sogar zu den herbstlichen Festlichkeiten seineswalliser Palastes eingeladen, wo der alte Ritter über eineWoche lang in dem Gebiete seines Erbfeindes schmauste undtagte.