Druckschrift 
11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
305
Einzelbild herunterladen
 

^ 305 ^

sah ihn über den Hof kommen und empfand in ihremHerzen ein seltsames Klopfen, das ihr Angst machte.Es war aber nichts als Amors gewöhnliches Hämmern,wenn er sich wo einbauen will.

Auch bei Alberten ging das Gehämmer gleich loö,als er mit froher Bestürzung seine schöne Cousine er-blickte. Cr wußte schon besser, was dieß Arbeiten zubedeuten hatte und was für ein Grundstein gelegt ward.Der geschäftige Baumeister trieb sein Werk an beidenOrten zugleich, und kam schon während der halbenStunde des Ceremonienbesuchs mit seiner doppelten An-siedelung zu Stande. Er baute in dieser kurzen Zeitfür die Ewigkeit, und die Grundbesitzer waren mit sei-ner häuslichen Niederlassung sehr wohl zufrieden. Siewünschten sogar, seine beiden Wohnungen so nah undfest zu vereinigen, daß nur der Tod eine Scheidewanddazwischen ziehen könnte.

3.

Kurz von der Sache zu sprechen: Albert und Amalieliebten sich im ersten Augenblicke, da sie sich als er-wachsene Leute sahen, und die Gluth ihrer Herzen machteihnen einen rauhen Winter zum heiterste» Wonnemondihres Lebens. Sie lasen die Zeitungsnachrichten vonMaskenbällen und andern Carnevals-Lustbarkeiten derGroßstädter ohne Neid, und fühlten sich tausend Malglücklicher in ihrem einsamen Schlosse.

Aber der schöne Winter entfloh; die Zeit der Waf-fenübungen rückte heran; Alberts Urlaub ging zu Ende.Welches Herzeleid! Der Hauptmann, der Vertraute

Laugbcm'S sämmtl. Schr. XV. Be. 20