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11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
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hatte de» Tisch schon ergriffe». Das Mädchen erschrack»nd erhob ein Zetergeschrei. Alle Bewohner des Schlos-ses liefen zusammen. Die Sache ward dem Grafengemeldet. Er kam und staunte. Es war ihm unglaub-lich , daß Honig und dessen Frau an ihm zu Diebengeworden sey» sollten. Doch der Augenschein gab kei-ner andern Vermuthung Raum. Man suchte das ver-schwundene Ehepaar allenthalben. An Amarant dachteNiemand.

Der Verlust einer so ansehnlichen Summe war demGrafen nicht gleichgültig. Er ließ seine Jäger »nd Reit-knechte aufsitzen und schickte sie den Entwichenen nach;doch befahl er ausdrücklich, sie nicht hart zu behandeln,sondern ihnen blos das geraubte Geld abzunehmen, undsie dann, wenn sie nicht freiwillig zurückkehren wollten,ihres Weges gehen zu lassen.

Amarant und Henriette versöhnten sich, ehe noch derTag anbrach. Die Leichtsinnige fand, als der ersteSchauer vor der Bubentbat ihres Geliebten vorüber war.ihre Lage bei weitem nicht mehr so unglücklich wie An-fangs. Sie beruhigte sich durch die Vorstellung, daßsie nicht mit freiem Willen an seinem Verbrechen Theilgenommen habe, und nun freute sie sich sogar auf dielustigen Abwechselungen ihres künftigen Schauspielerle-bens. An ihren verlassenen Mann durfte sie freilichnicht denken, wenn sie sich diese heitere Ansicht nichttrüben wollte. Sie hatte ihn zwar nie geliebt; abersie fühlte, daß sie die Urheberin seines Unglücks war.und empfand darüber die bitterste Reue.

So schwankend zwischen Betrübniß und Frohsinn, saßsie am dritten Tage ihrer Flucht neben ihrem Gefähr-ten in einem Extrapostwagen, als plötzlich zwei Jäger