den er aus mancherlei Gründen für den rechten hieltund mit der größten Anstrengung verfolgte. Er lief,ohne einen Augenblick auszuruhcn, drei Meilen, undnach einer kurzen Rast wieder eben fo weit. Da eraber nirgends die geringste Spur von seiner Frau ent-deckte, gab er sein Glück, seine Ehre — kurz, alles ver-loren. Cr zitterte - wir kennen schon sein schwachesGeniüth — wie ein Kind vor dem Zorn des Grasen,und konnte sich, trotz seiner erweislichen Unschuld, nichtüberwinden, wieder nmzukehrcn. Zufälliger Weise hatteer einige hundert Thalex in Golde bei sich, die er ausder Gerichtsstube mitbrachte, um sie bei der entwende-ten Summe zu verwahren. Dieser Umstand bestärkteihn in seinem verzweiflnngsvollcn Entschluß, auf's Ge-radewohl in eine ferne Weltgegcnd zu ziehen und allen-falls unter einem fremden Namen sein Heil als Schau-spieler zu versuchen. Seine Ehrlichkeit machte ihm zwarden Einwurf, daß die Summe, die er in der Taschehatte, nicht sein Eigenthum sey; er setzte sich aber überdiese Bedenklichkeit hinweg, weil seine Caution, die inden Händen des Grafen blieb, zehnmal so viel betrug.Dieses Punkts wegen so beruhigt, wanderte er nun eiligüber die nächste Landesgränze.
Er und die beiden andern Geflüchteten wurden imSchlosse nicht sogleich vermißt; denn Madame Honighatte in der letzten Zeit, da sie mit Amaranten Umgangpflog, ihre Dienerin (die in einem entlegenen Hinter-stübchcn wohnte) so abgerichtet, daß sie nicht eher er-scheinen durfte, bis ihr geklingelt wurde. Sie wartetebis zehn Uhr auf diesen Ruf. Jetzt ahnete ihr ein Un-glück. Sie ging in's Zimmer ihrer Herrschaft. DieThür stand offen; das Licht war niedergebrannt und