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11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
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sich zwar in's Mittel und übernahmen die Frauenzim-merrollcn; allein diese Amazonen ernteten mit ihren-rassierstiefelschritken und Commandirstimmen wenig Bei-fall ein, und wollten sich nach zwei oder drei unglück-lich abgelaufenen Versuchen nicht weiter auslachen lassen.

Henriette weckte die schlafende Kunst und ruhte nichteher, bis die Bühne wieder eröffnet wurde. Sie selbstfiel als Meisterin vom Himmel, und trat sogleich, ohnesich mit Anfängerrollcn abzugebeu, als erste Liebhaberinim Lust- und Trauerspiel auf. Ein Fräulein aus derNachbarschaft, das während der theatralischen Pausehcrangewachsen war, spielte die zweite» Rollen, und ihreGouvernante, eine alte französische Mamsell , war ingebrochenem Deutsch bald eine gute, bald eine böse Mut-ter. Der Gras selbst polterte und mvralisirtc als Ko-mödienvater, und an Liebhabern fehlte es so wenig, daßgemeiniglich noch ein starkes Reservecorps, das auf derBühne nicht gebraucht wurde, hinter den Coulissen stand,und sich oft, um nicht ganz müßig zu seyu, sehr drin-gend erbot, die Damen mit Ausschluß der sechzig-jährigen Deutschfranzösin im Ankleidungszimmer zubedienen.

Auch der Herr Hofrichter versuchte sich einige Malin Chevalierrollen, führte sie aber so steif und geschmack-los aus, daß ihm der Graf den sreundschaftlichen Rathgab, dem Theater entweder ganz zu entsagen, oder nurSchulmeister und andere Pedanten zu spielen. Dasschien ihm eine höchst unbillige Würdigung seiner Fähig-keiten ; denn er glaubte seinen Stutzer mit der Leichtig-keit eines Schmetterlings dargestellt zu haben. Daherentzog er sich in der Folge der Bühne und schützte im-