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11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
259
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Der Präsident, der im Grunde kein bösartiger Mannwar, bereute jetzt seine» Ungestüm, wodurch er den un-männlichen Schwächling beinahe in Todesgefahr gebrachthatte. Er besuchte ihn und bot alles auf, seine Gene-sung zu befördern. Dabei faßte er den heilsamen Vor-satz, seinen Jähzorn künftig besser im Zügel zu Hallenund sich nie wieder von ihm zu einer so wilden undunanständigen Handlung Hinreißen zu lassen. Den Hut,der diese Scene veranlaßt hatte, wollte er zeitlebenszum Andenken aufbewahren.Er soll mir," sprach erzu sich selbst,ein beständiger Warner von der Unartdes Aufbrausens seyn."

Vier oder fünf Jahre nachher beschloß unser Sekre-tär, sich in den Stand der Ehe zu begeben. SeineVermögensumstände und Aussichten machten ihn zu ei-ner annehmlichen Partie. Er hatte unter vielen arti-gen Mädchen die Wahl, und besann sich lange, um kei-nen Mißgriff zu thun. Am Ende hob er aus demKreise seiner weiblichen Bekannten die empfindsame Hen-riette, die Tochter eines verarmten Kaufmanns, heraus.

Das war eine recht hübsche Blondine, die bei jederGelegenheit mit ihrem zarten und gefühlvolle» Herzenprunkte. Sie fiel oft fast in Ohnmacht, wenn Jemandin ihrer Gegenwart eine Fliege auf seiner Rate erschlug,und bejammerte den unglücklichen Zustand der Krähen,die sie ohne Pelz und Filzschuhe im Schnee waten sah.Bei dem allem hatte sie viel Schuld am Verfall desväterlichen Hauses. Sie stand ihm als mutterlose Wirth-schafterin so übel vor, daß der Erwerb ihres Vatersnicht zureichte, den unmäßigen Aufwand, den die Ver-