schreiben, versteht sich von selbst. Dessen ungeachtetnahm ihn Herr Sebaldus — der sonst mit Leuten, dieihm kein baares Geld einbrachten, wenig Umstände machte— immer sehr wohl auf, und bezeigte seinem vormali-gen Diener, den er nun als einen Abglanz der großenLandessonne betrachtete, eine fast sclavische Ehrerbietung.Der Prokurator war eine der niedrigen Seelen, dievor allen Gewaltigen der Erde wurmartig kriechen,und sich dadurch selbst bei edeldenkenden Großen äußerstverächtlich machen. Vorzüglich hegte er gegen denMinister Sonnenstein einen so komischen Respekt, daßer nie dessen Namen anssprach, ohne den Hut oderdie Mütze abzunehmen. Diese heuchlerische Ceremonicbeobachtete er wenigstens immer in Gegenwart des Ad-jutanten, dem er die Gefälligkeit zutraute, daß er dießOpfer der Demuth hohen Orts rühmen und preisenwerde. Das geschah aber nie; denn der junge Herrbildete sich auf sein Degenband und seine künftige Adels-Würde schon so viel ein, daß er sich des Umgangs miteiner bürgerlichen Familie halb und halb schämte, undihn nur incognito fortsctzte. Besonders aber machte ersich gegen seinen stolzen Vater um so weniger damitbreit, da er von demselben die Weisung erhalten hatte,dergleichen alte Bekanntschaft völlig abzubrechen.
Dieses Gebot würde ihn, wenn er Paulinen nochredlich geliebt hätte, sehr erschreckt haben; er vernahmes aber mit außerordentlicher Gemllthsruhe, weil erohne dieß schon entschlossen war, in die Fußstapfe» sei-nes hohen Erzeugers zu treten, und dem Bunde derLiebe eben so wenig treu zu bleiben, als jener. Erhatte den feinen Grundsatz: was der arme Schreiberversprochen habe, brauche der reiche Edelmann nicht zu