Die Gilde der Schneider, die manchen kleinen Wichtzu einem angesehenen Manne macht, leistete auch Eduar-den diesen Dienst; doch nicht wie gewöhnlich mit Scheereund Nadel, sondern im Gegentheil dadurch, daß dieGesellen dieser Zunft jene schöpferischen Werkzeuge weg-warfen, ihren Meistern und der Obrigkeit trotzten, sichtumultuarisch zusammenrottetcn, und auf diese Art einefür sie vortheilhafte Umwälzung des SchneiderstaateSbewerkstelligen wollten. An einem andern Orte würdeman diesen matten Aufruhr wenig geachtet haben, weilder Hunger die armen Schächer doch wahrscheinlich baldin ihre Werkstätten zurückgetrieben hätte; allein in un-serer fürstlichen Residenz war man gewohnt, aus jederMücke einen Clephante» zu machen, und behandelte da-her auch die armselige Empörung einer Handvoll Schnei-der sehr wichtig. Es wurden alle Kanonen, die imZeughause vorhanden waren, auf dem Marktplätze auf-gepflanzt, und die Lärmtrommel rief das ganze Kriegs-heer unter die Waffen.
Den Nevolutionsmännern verging schon bei diesenAnstalten der Muth, auf den Gassen herumzutoben.Sie zogen allgemach die Hörner ein, verkrochen sich insSchneckenhaus ihrer Herberge, und verschanzten sich mitTischen und Bänken, die sie hinter der Thür ihrerSchlupfhöhle aufkhürmten. Der Feldmarschall, davonbenachrichtiget, hielt Kriegßrath, und es ward einstim-mig beschlossen, die feindliche Festung zu umzingeln, mitSturm zu erobern und die Besatzung zu Gefangenenzu machen.
Sonnenstein wußte voraus, daß dieser Sieg ein ge-fahrloses und leichtes Stück Arbeit sehn werde, und faßtedeßhalb auf der Stelle den väterlichen Entschluß, seinem
LciiijMin's sämmrl. Schr. XV. Bd. 14