Druckschrift 
11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
182
Einzelbild herunterladen
 

-<-S 182

net. Wer da? schallte die Donnerstimme meines Va-ters herab. Behend warf ich mich an die Thürschwelleauf die Knie und stöhnte mit bittend emporgestrecktenHänden meine» Namen. Ich kenne dich nicht! rief er:Hinweg, du Landläuserin! oder ich schieße dich wie einRaubthier nieder! Mit diesen schrecklichen Wortenschlug er das Fenster zn, und ich fiel in Ohnmacht.Schon graule der Tag, als ich mein Bewüßtseyn wie-der erlangte. Ich ichlcppte mich fort, um mich demStifter meines Unglücks in die Arme zu werfen.

Nach einer äußerst mühseligen Wanderung kam ichin die Nähe dieser Stadt. Aber unfern des Tbvrcsüberwältigten mich Hunger und Ermüdung; ich mußtemich auf einen Stein am Wege setzen. Manche Vor-übergehende warfen mir ein kleines Almosen zu; anderekränkten mich durch Spott und lieblose Urkheile, die sielaut über mich aus'prachen. Endlich fragte mich einealte, ärmlich gekleidete Frau mit einer thcilnehmendenMiene, was mir fehle. Ich antwortete, daß ich hülf-los und verlassen sey, und in der Stadt, wo ich einenFreund anfsuchen wolle, kein Unterkommen wisse. Siebot mir einen Platz in der Wohnung an. Ich folgteihr, und sie pflegte mich mit der freundlichsten Sorg-falt, ohne mich durch neugierige Fragen in Verlegen-heit zu setzen.

Am folgenden Tage schrieb ich an Ferdinanden, undsandle ihm, weil ich seinen Namen meiner Wirlhinnicht entdecken wollte, durch einen fremden Knaben denBrief zn. Ich harrte bis zum Einbruch der Nacht ver-gebens auf Antwort. Jetzt erschien nach einem kurzenund stürmischen Anklopfen eine Mannsperson, die sichbis über den Mund in einen Mantel gehüllt und den