Druckschrift 
11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
180
Einzelbild herunterladen
 

180

Mühe zu Stande brachte, weil ein Strom von Thra-kien meine Federzüge oft wieder auslöschte.

Ich erhielt Antwort; aber sie kam sehr spät, undwar so kalt und unbefriedigend, daß ich sie mit Ver-zweiflung las. Ferdinand schrieb: er werde mir Worthalten, doch jetzt erlaubten es seine Verhältnisse nicht.Er habe bei dem hiesigen Hofe als Kammerjunker Dienstegenommen, dürfe nun ohne Erlaubniß des Fürsten nichtheirathen, und müsse Schwierigkeiten und Ungnade be-fürchten, weil ich nicht von Familie scy. Es wäre da-her rathiam, diesen Schritt nicht eher zu wagen, bis erin der Gnade des Fürsten fester» Fuß gefaßt habe. Ichsolle indessen meinen Zustand sorgfältig verbergen undan einem entfernten Orte, wo mich Niemand kenne,mein Wochenbett aufschlagen. Er werde alle Kostentragen; doch bedinge er sich Verschwiegenheit, damitNiemand erfahre, daß er der Vater des Kindes untermeinem Herzen sey. Dieß dürfe besonders mein Vaternicht wissen, denn sobald ihn dieser heftige Mann dar-über zur Rede stellte oder ihm sonst die geringste Ver-drießlichkeit verursachte, nehme er sein Cheveriprechenzurück, und keine Macht ans Erden solle vermögendssyn, mich ihm zur Gattin aufzuzwingen.

Was konnte ich Unglückliche thun? Ich härmtemich ab; das Vorgezühl meiner Schande machte michmenschenscheu; ich erschrack oft vor meinem eigenenSchatten. An eine stille Veränderung meines Aufent-halts war nicht zu denken. Ich hatte in der ganzenWelt keine vertraute Seele, bei der ich mir eine freund-liche Aufnahme und schonende Behandlung versprechenkonnte; und wäre mir auch irgendwo ein Zufluchtsortoffen gewesen, so ließ sich doch gegen meinen Vater kein