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11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
169
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Thränen der Rührung; die jungen Städter lachten in-deß, und bemühten sich, die artigsten Bauermädchen umdasselbe Kleinod, das ihnen eben jetzt als das theuersteHeiligthum vorgestellt und empfohlen ward, zu be-schwatzten. Der General setzte Evelinen mit einem lau-ten Lobspruche den duftenden Kranz auf, und der Dorf-richter, ein redlicher Altvater, reichte ihr das Ehrenge-schenk auf einem silberne» Teller. Dann ging der Zugins Schloß; die Geiger und Pfeifer spielten lebhaft auf;der General tanzte mit dem Rosenmädchen den erstenTanz. Das ganze Dorf war froh und einig beisammen.Nur Herr Muffel und sein Töchterlein fehlten.

AVer sein Spruch, daß die Schönheit vielen Anfech-tungen ausgesetzt sey, ging in Erfüllung. Lina mußtesich so viel als möglich in der Nähe des Generals anf-halten, um vor den Liebkosungen der Stadtherren ge-sichert zu seyn. Das gelang ihr eine Stunde lang rechtgut, und sie sah es daher nicht gern, daß ihr Beschir-mer nun ins Schloß hinaufging und sich an einen Spiel-tisch setzte.

Kurz darauf flüsterte ihr ein Bedienter ins Ohr: eswolle eine der fremden, zum Besuch gekommenen Da-men in geheim mit ihr sprechen. Sie folgte ihm. Eröffnete ihr ein abgelegenes Zimmer im Erdstocke desSchlosses.

Hier saß auf dem Sopha eine Franengestalt, die mitzartlispelnder Stimme bat, sich neben sie niederzulassen.Lina gehorchte, und plötzlich fuhren ans dem seidenenMantel neben ihr ein Paar nervige Arme heraus, dieihren Leib brünstig umschlangen und einen unzweideuti-gen Angriff auf ihre Tugend unternahmen. Sie er--schrack, sträubte sich, rief um Hülfe, und im Nu ent-