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11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
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Doch freute er sich eben nicht darauf. Er besorgtevielmehr, daß die Leichtfertigkeit der Großstädter zudem ernsten Tone der festlichen Handlung nicht stimmenund die natürliche Einfalt und Reinheit der Sittenseines Landvölkchenß verderbe» möchte.

Ein solcher Gast, der Kammerherr Saloni, traf schonam Vorabend des Festes in Lindcnkron ein. Der Ge-neral war ansgeritten. Ans langer Weile knüpfte derKammerherr ein trauliches Gespräch mit der Diener-schaft an und fragte sehr angelegentlich nach dem Roscn-mävchen. Man entwarf ihm von Evelinen ein lachen-des Bild. Begierig, mit ihr sogleich Bekanntschaft zumachen, ließ er sich den Weg zu ihrer Wohnung be-schreiben. und eilte dahin.

Der Schulmeister und seine Gattin waren in dienäctiste Stadt gegangen, um mancherlei Bedürfnisse zumEhrentage ihrer Pflegetochter einzukaufen. Lina be-fand sich im Schulhause allein. Saloni stutzte bei demAnblick des schönen Mädchens, dessen zarte Gestalt kei-nen Fürstensaal verunziert hätte. Auch Lina erichrackbei seiner Ankunft; denn trotz seines fünfzigjährigenAlters stand es in seinen lüsternen Augen und auf derglänzenden Mondscheibe seines kahlen Hauptes deutlichgeschrieben, daß er im Umgänge mit Frauenzimmernkein Heiliger war. Er fragte nach dem Schulmeisterund setzte als Beweggrund hinzu: er wünsche, dasInnere der Kirche zu sehen.

Lina antwortete: ihr Vater sey nicht zu Hause, unddie Kirche enthalte nicht die geringste Merkwürdigkeit.

Es hängt nur von Ihnen ab, sie mir denkwürdigzu machenentgcgnete der Kammerherr.