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11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
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Stimme und gibt sie nach seinem Gewissen ab. DieMehrheit derselben entscheidet."

Mit hastigen Schritten eilten die Hausväter heimund verkündigten akhenilvs die große Neuigkeit ihrenWeibern und Töchtern. Eigenliebe und Tadelsucht setztensich nun sogleich in der armseligen Hütte zu Gericht.Jedes Mädchen, das gerade keinen ruchbar gewordenenFehltritt begangen hatte, rechnete darauf, bekränzt zuwerde»; jede Mutter hielt ihre Lieblingstochter einzigund allein für würdig, die Rosenkrone zu tragen.

Als nun die Wahlhandlung unter dem Vorsitz desGenerals und des Pfarrers vor sich ging, befolgte derErste, den man zum Stimmen aufries, das ihm ein-geschärfte Gebot seiner Hausfrau, und sprach furchtsamund mit niedergeschlagenen Augen den Namen seinereigenen Tochter aus. Aber man beschied den gutenMann, daß Vaterliebe hier kein Wahlrecht habe, son-dern daß sich Jeder für eine fremde, mit ihm nichtverwandte Person erklären müsse. Das verursachte nichtwenig Bestürzung; denn es hatte» auch schon Anderedie Namen ihrer Schovßtöchter auf der Zunge.

Nach dieser kleinen Irrung erhielt Evelina, desSchulmeisters Pflegetochter, die meisten Stimmen. Siewar unstreitig das tugendhafteste Mädchen im Dorfe,und alle Menschen waren ihr hold, weil sie freundlichund gut, und bei ausgezeichneter Schönheit so beschei-den war, als hätte sie nie in einen Spiegel gesehen.Der Gerichtshalter, der das Protokoll führte, rief siezum Rosenmädchen aus.

Ich protestire dagegen!" schrie Herr Muffel, derüberkluge Barbier und Wundarzt des Dorfes.

Langbeui'S sämmtl. Schr. XV. B!> 11