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»Ihr Puls ist in Ordnung, Herr General!" sagteder Doktor. „Sie haben wahrscheinlich bloß einen An-fall vom Landfieber der langen Weile. Zerstreuen Siesich, laden Sie Gesellschaften aus der Residenz zu sichein, und die Arznei des gewohnten Umgangs wirdwohlthätig wirken. Ein Weltmann wie Sie, der kaumsein fünfzigstes Jahr überschritten hat, ist zum Ein-siedler noch nicht reif."
„Ich will auch kein Waldbrudcr sehn," antworteteder General. „Nur von der Stadtwelt mag ich denganzen Sommer hindurch nichts sehen und hören."
„So beschäftigen Sie sich auf eine belustigende Weisemit Ihren Landleuten!" versetzte der Arzt. „GebenSie ihnen Schäfer- und Rosenfeste!" —
Dieser Vorschlag gefiel dem General. Er hatte im-mer die Rosenfeste als eine liebliche Erfindung be-trachtet, und beschloß auf der Stelle, eins zu veran-stalten.
Des folgenden Tages ließ er die Dorfgerichten undHauswirthe zusammenrufen und sprach zu ihnen: „GuteMänner und Freunde, ich bin entschlossen, ein jährlichesRosenfest hier zu stiften. Diese Feierlichkeit stammtaus Frankreich her, hat aber auch schon in Deutsch-land hier und da Eingang gesunden. Sie besteht darin:daß die tugendhafteste Jungfrau eines Ortes öffentlichmit Rosen bekränzt und ansehnlich beschenkt wird. DasLetztere übernehme ich allein; aber die Ausmittelungdes Mädchens, das vor allen andern diese Ehre ver-dient, ist Cure Sache, und ich lasse hierzu Euch undEuren Frauen drei Tage Zeit. Dann halten wir einefeierliche Wahl Jeder ansäßige Einwohner hat eine