-OZ» 133 So-den Gastzellen, von welchen jetzt Sylvester eine be-wohnte. Es war, wenn er aus - und einging, seingewöhnlicher Weg; unv ein Besuch, den er an diesemTage außerhalb des Klosters gemacht und bis gegenMitternacht verlängert hatte, leitete ihn bald nach derAnkunft der Leiche dahin. Mit einer Laterne in derHand durchschritt er ruhig den Hof; aber einige Schrittevor dem Kreuzgange erblickte er ans der hark danebenbefindlichen Bank den ewigen Schläfer, beleuchtete ihn,und trat scheu zurück, als er sah, daß es Isidor war.Er stellte sich vor, der so oft von ihm beleidigte Mönchhabe hier feindlich aus ihn gelauert und sey über dieserWegelagernug eingeschlafen. Rachsüchtig ergriff er ei-nen großen Stein, warf ihn mit aller Macht dem Tob-ten an den Kopf, und entfloh in den Kreuzgang.
I» der Mitte desselben blieb er horchend stehn. ESwunderte ihn, daß er vom Hofe her keine» Laut hörte.Er ging sacht auf den Zehen zurück. Isidors Körper,durch den Steinwnrf von der Bank geschleudert, lagauf der Erde. Sylvester umschlich ihn, berührte ihn,und Schrecken durchbebte seine Glieder, als er ihn er-starrt fand. „O ich Unglücklicher, ich Hab' ihn ge-töbtet!" rief er, die Hände ringend. „Gott und alleHeiligen, steht mir bei! Ich bin verloren — Las ganzeKloster kennt unsere Feindschaft — des Mordes Ver-dacht fällt einzig ans mich!" —
Nathschlagend, was er anfangen wollte, kam er aufden Gedanken, die Blutthat dem Herzog aufzubürden.Schnell entschlossen, belud er sich mit der Leiche, trugsie hin vor den Palast, legte sie im Säulengange nie-der, und entkam glücklich, ohne daß ihn ein Auge ge-sehen hatte.