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11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
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Seite
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vor dcm eifersüchtigen Herzog rühmen zu können. DieKunde von der Gemüthsart dieses Mannes erfreute denhorchende» Ränkeschmied. Er suchte die Briefträgerinauf, verhörte sie, beobachtete Isidors Gänge, und marZeuge seiner lächerlicher Reverenze. Frohlockend iah ersich nun im Besitz eines reichen Stoffes zu Obrenblä-sereien, wodurch er den Eii'eriüchtler in den Harnischtreiben konnte; und das zn lhun, mar sein brennenderBorsatz. Er bedachte zwar, daß ein solcher Schritternsthafte Folge» nach sich ziehen und von seine» Obernin Salamanca nicht gcbilliget werden würde; denn derwohlgesinnte Guardian hatte ihn in der besten Absichtzu Isidors Ebrenbütcr bestellt, und er handelte folglichden cmpsangenen Verhalt»ngsbefchle» schnurstracks ent-gegen, wenn er den jungen Mann, den er vor Un-fällen bewahren sollte, selbst hineinstürzte. Doch washals's, daß ihm ein guter Genius diese Vorstellungenzuries? Die Rache, sagt-Shakespeare, ist tauber, alsOttern gegen die Stimme der Vernunft.

Sylvester wählte den dunkeln Weg, den die Ver-leumdung gern wandelt; er schrieb an den Herzog einennamenlosen Brief, worin er ein Körnlein Wahrheitunter einen Schwall boshafter Erdichtungen müchte.

Roderigo las diese Zuschrift mit glühenden Augen,stürzte fort zu seiner Gemahlin, hielt ihr in einer Handdes Verräihers Anklage, in der andern einen gezücktenDolch vor's Gesicht, und forderte mit schrecklichen Wor-ten ein Geständniß des ihr angedichtetcn Liebeshandels.Die Schuldlose betheucrte die Reinheit ihrer Tugend;doch in der Todesangst gestand sie, einen verworrenenBrief von einem ihr unbekannten Mönch erhalten zuhaben.