„Warum versagst du mir eine» so leichten Freund-schaftsdienst ?" fragte Isidor.
„Weil der Herzog ein Teufel von Eifersucht ist;"antwortete Urban. „Ich möchte mich von ihm nichtum alle Schätze der Welt mit einem Briefchen an seineGemahlin ertappen lasten. Cr bliese mir auf der Steiledas Lebenslicht aus, und Euch erging' es nicht besser.Ein Paar arme Mönche niederzumetzeln, war' ihm einKleines, und es krähte wahrlich! kein Hahn darüber,denn der Herzog ist reich und ein Liebling des Königs."
Isidor lachte über diese Warnung und wies den ehr-lichen Urban aus der Zelle, um ungestört schreiben zukönnen. Cs glückte ihm auch, als der Brief fertig war,ei» verschlagenes Weib zu finden, das die gefährlicheBotschaft übernahm und sie als wandernde Modehänd-lerin ausführte.
Die Herzogin erbrach das ihr eingehändigte Schreibenin der Erwartung eines gewöhnlichen Almosengesuchs.Kaum aber ersah sic aus dem zärtlichen Inhalte, daßhier ein anderer Wunsch die Feder geführt hatte, solegte sie das Blatt erröthend aus der Hand und sagtemit gemäßigtem Unwillen: „Wie komm' ich zu diesemBriefe? Es muß ein Irrthnm vorgegangen sehn. Ichverbitte dergleichen Zuschriften, die für den Sender undUeberbringer schlimme Folgen haben könnten." — Hier-mit befahl sie der verstummten Gelegetihcitsmacherin,sich zu entfernen und den Palast nicht wieder zu be-treten.
Voll Ungeduld lauerte der verliebte Mönch aus dieRückkunft seiner Botin, und sein Dünkel sicherte ihmdie erfreulichsten Nachrichten zu. Als er aber die un-holde Ausnahme des Schmeichelbriefes erfuhr, stand er