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11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
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unartige Leute durchbohrten ihn gleichsam mit den Au-gen, zuckten verächtlich die Achseln und plauderten zwang-los mit ihre» Nachbarn, um öffentlich zu zeigen, daßer ihnen lange Weile machte. Kurz, er sah und hörteum sich her nichts als Ausbrüche der Ungeduld und desMißvergnügens.

Er wäre allenfalls des verfehlten Beifalls der großenMenge ohne vielen Kummer verlustig gegangen, hätteer sich nur als möglich denken können, daß er der Ein-zigen gegenüber gefalle. Aber wie vermochte seine zer-rüttete Seele diese Hoffnung zu fassen? Er stand alsein gar zu jämmerlicher Stümper vor seiner Göttin;sie mußte ihn wie der übrige Troß verachten. DiesesGefühl zerknirschte ihn ganz. Er wünschte sich auf derStelle den Tod. Aber die edle Herzogin zeigte sich alseine Frau von feiner Bildung und Herzensgüte. Weitentfernt, den unglücklichen Prediger durch eine spöttischeMiene zu kränken, sah sie mit der Sanftmuth eines En-gels bescheiden vor sich nieder; und als sich die hinterihr stehende Dienerschaft erlaubte, über den geistlichenWirrwar leise zu kichern, wies sie das ungezogene Völk-chen durch einen strafenden Blick zur Ruhe.

Isidor bemerkte diese schonende Huld. Sie goß Bal-sam in sein wundes, von Angst und Scham zerrissenesHerz, und er versäumte nicht, sich dafür erkenntlich zubezeigen, als er die glühenden Kohlen verließ, auf wel-chen er eine halbe Stunde gestanden hatte. Cr beugtesich gegen die Herzogin so tief, daß die Spitze seinerAdlersnase das Kauzelpult berührte; und so trat er ab,ohne die Gegenden der Kirche, wo die Spötter saßen,eines Scheideblicks zu würdigen. Mit gesenkten Augen,

Lungbem'S sämmtt. Schr. XV. B!>. 10