---§>- 144 So-
nn Meisterstück. Der ruhmbegierige Franziskaner warauch ganz darauf vorbereitet, die Erwartung nicht zutauschen. Mit dem zierlichsten Anstande betrat er denRednerstuhl und begann seinen Vortrag. Aber er hattekaum fünf Minute» lang durch seiner Stimme melodi-schen Ton die Zuhörer entzückt, als er plötzlich mit ver-wandelter Gesichtsfarbe den Fade» der Rede verlor undstammelnd nicht wußte, was er sagen wollte.
So aus der Fassung brachte ihn die Ankunft der schö-nen Herzogin von Girona, die jetzt der Kanzel gegen-über in einem erhöhten Betzimmer erschien. Ihr An-blick wirkte auf ihn wie ein lähmender Zauberschlag.Der geistvolle Man» gab der staunenden Versammlungdas klägliche Schauspiel eines verblüfften Dummkopfs.Er schnappte mit offenem Munde wie ein Fisch nachLuft und hustete ängstlich, um seine Verwirrung zu be-mäntelu und Zeit zur Besinnung zu gewinnen. Umsonst!er fand sich nicht wieder ins rechte Gleis. Es half ihmsogar nichts, daß er zum Concept der Predigt seine Zu-flucht nahm. Er war gleich einer in die Sonne blickendenEule vom Glanze der Schönheit völlig geblendet, unddie Buchstaben auf dein Papiere wimmelten vor seinenAugen wie Ameisen durch einander. Doch stumm konnteer auf seinem Posten nicht bleiben; er stotterte also einGalimathias hervor, das selbst oie alten Mütterchen aufden gemeinen Kirchenstühlen für ein elendes Gewäscherklärten. Noch unzufriedener waren mit ihm die höhe-ren Klassen. Einige junge Schulfüchse, die sich mitGriffeln in der Hand unter der Kanzel gelagert hatten,mn den erwarteten Honigstrom seiner Lippen in ihreSchrcibtafeln zu leiten, sprangen mit frechem Geräuschauf und liefen hohnlachend aus dem Tempel. Andere