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ich bin doch neugierig, sie zu sehen. Man hat ja, wiedie Krämer sagen, das Ansehen umsonst."
Es war Nachmittags gegen vier Uhr, als er auf derStraße dieses Alleingespräch hielt. Schon nahe vor sei-nem Hanse kehrte er plötzlich um, schlüpfte durch eineHintecthür in Kilian's Wohnung, und überraschte denöffentlichen kaiserlichen Schreiber mit der hastigen Bitte:„Erlauben Sie mir, Freund, mich in Ihrem Alkoveneiuzuquartiren! Ich will hinter dein Vorhang der Glas-thüre die Braut meines Sohnes in Augenschein nehmen."
„Thun Sie, als wären Sie hier zu Hause!" sagteder Notar. In demselben Augenblicke zog schon Fer-dinand die Klingel des Borsaals, und Herr Astenflüchtete geschwind i» den Alkoven.
Wahrlich! das Geschäft eines Notars wäre das an-genehmste von der Welt, wenn täglich im Schreibzimmerso reizende Mädchen erschienen, als jetzt eins mit ge-senkten Taubenaugen hereintrat. Luise, in der Rosen-blüthe ihres achtzehnten Jahres, war eine so zarte,wunderliebliche Gestalt, daß bei ihrem Anblick sogarim Buten des greisen Rechksgelehrteu die längst erstor-benen Gefühle des Schönen erwachten. Mit verklärtemGesichte, aus welchem alle finstre Wolken, die sich seitvierzig schwüle» Geschäftsjahren darauf gelagert hatten,plötzlich verschwanden, zwang er seinen steifen Rückenzu zehn und mehrern behende», wellenförmigen Beu-gungen, die leider nicht so zierlich geriethen, als er eswünschte. Ungestüm warf er dann einen dicken, schla-fenden Mops aus dem verjährten Besitze des Sopha's,und führte Luisen, wie ein Ceremvuienmeister der Vor-zeit, mit den äußersten Fingerspitzen an den geräumtenPlatz-