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11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
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5.

Die Erscheinung.

Zwanzig Jahre hatte Bertha den süßen Brei ansge-thcilt, als plötzlich ihr letztes Stündlein schlug. IhrBegräbniß war ein Trauerfcst für alle Gauen umher.Tausende von Leidtragenden folgten dem Sarge zur Erb-gruft, wo schon zwei frühverblühte Töchterlein ruhten.Auch der Ritter Osmund ward bald nachher auf derRennbahn des Lebens vom Tode besiegt. Ulrich vonRosenberg, des frommen Paares einziger Sohn undErbe, waltete nun auf Wittgau und befolgte viele Jahrelang seiner Mutter wohlthatige Verordnung, wie eseinem guten Sohne eignet und geziemet.

Aber die Fehden jener Jahrhunderte führten ins Her;des Landes feindliche Kriegsvölker, und diese vertriebenden Ritter Ulrich von seiner Burg. Ein Feldherrden wir Dominik nennen wollen wählte sie zumHaupilazer, spielte darin den unumschränkten Gebieter,nahm alle Renten in Beschlag und erpreßte mit Feuerund Schwert von den Untcrthanen das letzte Hemd. Einalter Burgvogt war von Nosenbcrgs Diener» der ein-zige, der im Schlosse geduldet ward, damit der Usur-pator immer einen Vollzieher seiner endlosen, meistensauf Wohlleben abzweckendcn Befehle bei der Hand hatte.

Der üvermüthige Fcldhauptmann war von niedrigemHerkommen, war bei der magerste» Kost erzogen, hattevom gemeinen Kriegsknecht hinauf gedient und man-ches Hundert schwarzer Soldatenbrvde mit Behagen ver-zehrt; aber jetzt, da er auf fremde Kosten seinen Gau-