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11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
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Kindeskindern alljährlich an demselben Tage von mirund meinen Nachkommen gereicht werden."

Die Einladung auf einen süßen Brei war im Mittel-alter kein verächtliches Wort. Man verstand daruntereine förmliche, schüsselreiche Gastnng, so wie man jetztauf eine Suppe einladet, und es dabei nicht bewendenläßt. Der eigentliche süße Brei, ein Lieblingsgericht un-serer Altvordern, war ein mit Honig zubereitetes Muß,das festliche Mahlzeiten gewöhnlich beschloß.

Den Bauleuten wässerte der Mund; sie regten lustigdie Hände, und ehe noch der Winter seine strenge Re-gierung antrat, stand das neue Schloß Wittgan zumEinzuge fertig.

Workhaltcnd ließ Bertha de» Gewerken und allenAndern, die bei dem Bau hülflich gewesen waren, einherrliches Gastmahl bereiten. Es mußte wegen derMenge der Theilhabcr unter freiem Himmel gehaltenwerden. Das Wetter bezeigte sich Anfangs günstig; alsaber der süße Brei auf den Tafeln rauchte, siel derWinter dem Herbste plötzlich ins Land Und warf die er-ste» Schneeflocken in die Schüsseln. Solches verdroßdie geschäftige Wirthin gar sehr.Können wir unsdoch künftig," sagte sie,vor dergleichen Unbildensichern! Wir wollen von nun an in allen Folgejahrendas heutige Fest am ersten Tage des Rosenmonatsfeiern. Schickt uns allenfalls der Winter auch dannnoch den Nachtrab seiner Stürme auf den Hals, so la-chen wir seines letzten ohnmächtigen Zorns und lassenuns dadurch in unserer Freude nicht stören.

Drauf labte jeden ersten MaiDer wulilgedachte süße BreiDer Gäste muntres .Heer.