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11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
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heimen Nathes?" fragte er den, der ihm mit gesenktenAugen und gefaltete» Händen zunächst stand und wieein Herrnhuter aussah.

Die Gottesfurcht," antwortete Dieser, und legte miteiner tiefen Verbeugung die Hand aufs Herz.

Was ist die zweite Tugend?"

Die Gottesfurcht."

Und die dritte?"

Die Gottesfurcht." Dabei blieb er. Der Fürstlachte, hieß ihn abtretcn und sagte zu den GeheimenRathen:Versorget diesen frommen, einfältigen Tropfmit einem Schulmeisterdienste!"

Er wandte sich nun zu dem Zweiten mit der Frage:Welches sind die Haupteizenschaften eines guten Re-genten?"

Der Candidat (dem ein gewisser, mit pedantischemEigendünkel verschmolzener Hochsinn aus den Augenblickte) beugte sich minder tief, als der Vorige, räu-sperte sich, machte sonst noch allerhand Anstalten zu ei-ner weitschweifigen Rede, und begann hierauf:Plato,Aristoteles und Ich behaupten: ein Fürst seynichts anders, als der erste Diener des gemeinen We-sens, und es liege daher ihm ob. Recht und Gerechtig-keit zu handhaben, des Landes Wohlfahrt aus alle Weisezu befördern und seine Unterthanen so zu behandeln,wie er selbst wünschen würde, behandelt zu werden,wenn Er ein Unterthan wäre.

Was Du vvn Andern unqcrn hast,

Damit rhu' niemand Uebcrlast.

Dieser Sittempruch ist die untrügliche Goldwage mensch-licher Handlungen, die uns die Natur ans Herz hängte.