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11 (1847) Kleine Romane und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
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Nach einiger Zeit fühlte ich einen sanften Schlag aufdie Schulter. Ich öffnete die Augen und erblickte vormir einen seltsam gekleideten Greis mit einem langensilberweißen Barte.Steh' auf!" redete er mich an:Ich will dich an einen Ort bringe», wo du in einerStunde die Staatskunst erlernen kannst." DieserAntrag erfreute mich, und ich folgte dem Alten auf demFuße nach.

Er führte mich über ein steiles, mit Nebel bedecktesGebirge in eine ansehnliche Stadt, die mit vielen Thür-men prangte.Hier, mein Sohn," sprach er,ist dasHoflazer eines mächtigen deutschen Fürsten, der gernmit seinen langen Händen rasch zugreift, wenn er inder großen Reichsschüssel einen Leckerbissen bemerkt.Du wirst ihn sogleich von Person kennen lernen. Esist vor wenigen Tagen einer seiner Geheimen Räthegestorben; die Wahl eines neuen soll eben vor sich ge-hen; wir wollen bei dieser Feierlichkeit zugegen seyn."Er benetzte hierauf seine Stirn und die weinige miteinem Tropfen Balsam und versicherte, wir wären nunbeide so unsichtbar als der Wind.

Uns selbst sahen wir. Doch unbemerkt von allenAndern schlüpften wir gleich Sommerlüftchcn durch einedichte Volksmenge, die in de» Straßen auf und niederwogte. So kamen wir in die Hofburg und in denSaal, wo der Fürst, von seinen Staatsräthen umgeben,im vollen Glanze seiner Herrlichkeit auf dem Thronesaß. Vor ihm standen drei Männer. Sie waren auseinem halben Hundert Candidaten, die sich um dasAmt beworben hatten, ausgehoben worden, und derFürst selbst wollte sie prüfe».

Was ist die erste und vornehmste Tugend eines Ge-