-»D 405
»ordern ausgab und deutsche Kastanien nannte. Dennochaber wies Jedermann die herbe Frucht mit Lachen von sich.
„Nun Scherz bei Seite, Herr Bürgermeister!" ries meinNachbar. „Lassen Sie gefällig auftragen, was Sic unsim Ernste bestimmten."
„Sie schweben in einem seltsamen Jrrthum, bester HerrHofrath!" versetzte Jener. „Unsere einfache deutsche Mahl-zeit ist völlig vorbei."
Er machte große Augen und wollte das nicht glauben;als es ihm aber der Schalk nochmals versicherte, ward erunbeschreiblich grob und forderte gebieterisch die abgetra-genen Speisen zurück. Sic wurden gebracht, und er aßwie ein Wolf.
Aber auch diesen Nothgcnuß verbitterte ihm der Harfnerdurch den Gesang nachstehender Romanze.
Zaunkönig nnd Bär.
Ein Zaunkönig und ein ZvttelbärDas waren verwünschte Prinzen.
Sie zvgen vereint in der Welt umherUnd hatten nicht Kleider, nicht Münzen.
Prinz Bar war grob und bekam dafürMitunter tüchtige Prügel;
Allein das kleine, geflügelte ThierWar ganz der Höflichkeit Spiegel.
Sie mußten, Kraft der Verzauberung,
Die Menschheit so lange missen,
Bis eine Prinzessin, schön und jung,
Sich frei entschloß, sie zu küssen.
Drum wanderten beide sich mud' und mattUnd schweiften nach allen vier Winden,
Um irgend in einer KönigsstadtEntzaubernde Küsse zu finden.