Druckschrift 
12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
404
Einzelbild herunterladen
 

404 S---

Das verhüte Gott!" rief Herr Ballhvrn.Wenigstensan uns sollen sie diese Freude nicht erleben. Wir werfenihre Sitten und Sprache zur Stadt hinaus, und ganzDeutschland möge sich an uns spiegeln."

Amen, das werde wahr!" fiel der Doktor ein, undbekräftigte seinen Wunsch mit einem tüchtigen Trünke.

Diesem poetischen Zwischenspiele folgte der höchst pro-saische Auftritt eines Lammsbratcns mit weißen Rüben.Sehen Sie hier," sagte der Bürgermeister, ein merkwür-diges, acht deutsches Gericht! Götz von Berlichingenmit der eisernen Hand, der edle Kämpfer für deutscheFreiheit, ward mit LammSbratcn und weißen Rüben vonseiner Hausfrau bewirthct, als er einsmals von einemglücklichen Zuge in seine Burg zurück kam und einen ge-fangenen Gast, den Ritter Weisungen, mitbrachte.

Ich durste nicht Göß sepn!" rief der Hofrath.Ichhätte das Weib meine schwere eiserne Hand fühlen lassen,wenn mir nichts Besseres aufgctischt worden wäre."

Er wandte sich dann zu mir, den das Loos getroffenhatte, sein Nachbar zu sepn, und sagte vertraulich:Nunhaben wir, Gott sep Dank! die Vericrmahlzcit überstan-den; nun wird unser spaßhafter Herr Wirth den rechtenSchmaus anfangen lassen. Ich freue mich nur, daß ichso klug war, mich mit jenen gemeinen Philisterspeiscnnicht anzufüllen."

Er ließ denn auch den ritterlichen Braten mit Verach-tung bei sich vorübcrgehen. Wir andern aßen, ohne unsan sein Hohnlächeln zu kehren, unfern Theil davon. Hier-auf kam ein Weinmuß für die Frauen, und zugleich derNachtisch, der nichts enthielt, als Butter und Käse, einPaar Teller Obst und eine Schüssel mit gebratenen Ei-cheln, die der Bürgermeister für die llrkost unserer Alt-