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Da durchlief den Markt das Gerücht: die Herrin Spitz-maus habe in der deutschen National-Frauentracht öffent-lich ausstchcn wollen; als cs aber der Rath nicht geneh-miget, habe sie den trotzigen Entschluß gefaßt, im Ncifrockzu prunken; und da man ihr dieß, weil der Ncifrock einewidrige französische Erfindung sep, unbedenklich erlaubthabe, so kleide sie sich jetzt um, und daS verursache denVerzug ihres Austritts.
Dieses Gerücht hatte Grund. Gegen zwölf Uhr erschiensie wirklich im Ncifrock und Schleppklcide, und bestieg mitkecken Schritten die Bühne, wo man aus Furcht vor ih-rer Lästerzunge drei oder vier Fcllraßler (nach uuscrsJohann Ballhorns Tvllmeischung des Wortes ll'amdonc)ausgestellt und'ihncu befohlen hatte, aus Leibeskräften zuraffeln, sobald sie Schmähungen gegen die Obrigkeit ausstoße.
Eine Minute lang sah sic frech umher; dann erhob sicihre Stimme und sagte zu dem sic angaffendcn Volke:„Denkt ihr, ich soll mich schämen? Nein, ich schäme michnicht. Ich habe für eine gntc Sache gekämpft; aber Un-dank ist der Welt Lohn, sagte mein seliger Mann. — Ach,lebte der Edle noch ! Er hat's wahrlich nicht um die WeltVerdient, daß man mit seiner Wittwe so umgeht. Dievortrefflichsten Bücher gab er den Leuten um's halbe Geld,und Fürsten schützten ihn gegen seine Neider und Feinde.Aber meiner nimmt sich kein Mensch au. Ich stehe hierwie eine Misscthätcrin, weil ich ein Paar einfältigen Naths-herren die Perücken — —"
Hier fielen ihr die Fcllraßler mit einem so gewaltigenund anhaltenden Getöse ins Wort, daß sie, aller Anstren-gung ungeachtet, keinen vernehmlichen Laut wieder auf-bringen konnte.
Als sic die gehörige Zeit zur Schau gestanden hatte,
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