war, mit Lenore» um einen Kuß ringen sah. „Was willstdu hier? du ungebetener Gast!" schrie dagegen Herr Pe-ter und'sprang dem Förster wüthcnd entgegen. Aber indemselben Augenblicke begab sich zu Rudolphs Rechtferti-gung das wunderbare Ercigniß, daß dem Meister Knopf,der beim Rufe seines Namens erstarrte, die gräflichenPrachtklcidcr wie Zunder vom Leibe fielen. Da stand er,ein bleicher, bebender Dürrling, in einem verwittertengrauen Röckchcn, aus dessen Taschen lange Papierstreifenzu Kleidermaßen hervorhingcn.
„Greift wieder zur Schccr' und Nadel, Herr Erbgraf!"sagte Rudolph. „Der regierende Herr hat ausregicrt! Erkau» Euch den Beutel nicht mehr spicken, um ehrlichenLeuten damit einen blauen Dunst vorzumachcn."
Stumm und geduckt, wie ein feiger Schelm, der Schlägebefürchtet, huschte der Schneider zur Thür hinaus. Ru-dolph erzählte hierauf den Vorgang im Walde. Männig-lich erstaunte darüber. Der Geistliche weniger, als dieübrigen Zuhörer. „Ich ahnte," sprach er, „den Wolf imSchafsklcide, weil ich, der Diener des göttlichen Wortes,ihm ein Dorn im Auge war."
„Aber, zum Henker! wer bezahlt mir die Kosten desheutigen Gastmahls?" rief Herr Peter. „Und ich willdoch nicht hoffen —" Er stürzte, plötzlich abbrcchend, ausdem Zimmer, kam nach einigen Minuten mit einem ganzentstellten Jammcrgesichte zurück und schrie: „Ach, ich un-glücklicher, betrogener Mann! Alle meine Teufelsdukatcn,die ich von dem verfluchten Erbgrafen erhielt, haben sichin Kohlen verwandelt."
Erschrocken fuhr der Kantor in die Tasche und zog, stattder ihm bei der Tafel verehrten seidenen Golebörse, einenBeutel von grauer Sackleinwand hervor. Er öffnete ihn