Als der Nachtisch aufgesetzt wurde, lehnte sich der edleHerr gemächlich im Stuhle zurück, legte die Hände gefal-tet auf die Brust, ließ die Daumen umeinander hcrum-spiclcn und sagte: „Ich bin heute überaus heiter! Wa-rum haben wir nicht Musik?"
„Ew. Hochgräfliche Gnaden verzeihen," antwortete derWirth, „damit ist's in unserem Neste gar schlecht bestellt.Wir habe» nur drei Fiedler, deren wir überdicß heutenicht habhaft werden können, sintemal sie bei einer großenBauernhochzeit, die acht Tage dauert, mit ihren Crcmo-ncscr Geigen anfwarten. Wollten aber Ew. Gnaden ge-ruhen, sich mit Zitherspiel und Gesang zn begnügen, sowürde mein gegenwärtiger Herr Gevatter, der CantorGabriel, nicht ermangeln, sich nnterthanig hören zulasten."
Herr Gabriel, der dem bekannten Sprüchwort: Onto-re« nma»t tnmivi-es, nachgclebt und weidlich gezecht hatte,ward noch röther, als er schon war, und winkte demHerrn Gevatter mit der Hand, ihn in Ruhe trinken znlassen. Doch der Graf sagte: „Also sitzt ein Namensvet-ter des berühmten Engels Gabriel mit uns zu Tische? —Nun, die Engel sind vortreffliche Sänger und Harfner;daher bin ich lüstern, den Herrn Cantor singen und spie-len zu hören, weil er ohne Zweifel seinem Engclnamenkeine Schande machen wird."
Der Cantor erhob sich vom Stuhle und lallte mit schwe-rer Zunge: „Der erlauchte Herr denken zu günstig vonmeiner Wenigkeit. Ich bin leider ein Stümper und bittegeziemend, mir den Beweis davon gnädig zn erlassen."
Da sprang Herr Peter hastig auf, trippelte hin zumCantor »nd sagt' ihm in's Ohr: „Gevatter, sperrt Euchdoch nicht! Es kann Euch eine Hand voll Dukaten ein-bringen und am Trunk sollt Ihr nichts einbüßcn; Ihr