Druckschrift 
12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
233
Einzelbild herunterladen
 

233

in London, oder im nächsten Nachtquartier eben so gutfeiern lassen.

Was war zu machen? Die Reise ging vor sich. DerAlte verwahrte die Mitgabc, thcils in Gold, theils inBanknoten, vor des Bräutigams Augen in einem Kästchen,nahm cs unter den Arm und setzte sich mit den jungenLeuten zu Wagen.

Der Weg führte durch einen Wald. Kaum waren siedarin, so sprengten zwei Reiter mit Larven vor den Ge-sichtern aus dem Gebüsch hervor und hielten den Wagenan. Einer bewachte mit vorgchaltencr Pistole den Kut-scher, der andere kam an den Schlag und sagte:Wirsind Glücksritter, und bitten uns die Mitgabc der Brautaus."

Die Herren im Wagen schalten und fluchten; aber kalt-blütig beharrte der Räuber auf seiner Forderung. Nacheinigem Wortwechsel neigte er sich zu dem jungen Mannehinab und sagte ihm heimlich ins Ohr:Damit Sicsehen, daß wir billige Leute sind, so lassen wir Ihnendie Wahl: Geben Sic uns die Braut oder ras Geld!Uns ist das aus gewissen Ursachen gleichgültig, und IhreErklärung soll niemand erfahren."

Der Neuvermählte bedachte sich nicht lange; er flüsterte:Nehmt die Braut!"

Bruder," rief der Räuber seinem Spießgesellen lautzu,wir sollen die Braut nehmen."

Plötzlich packte der Alte seinen säubern Schwiegersohnan der Brust, schüttelte ihn mächtig, und sagte mit don-nernder Stimme:Ha, Bube! so hat mich meine Muth-maßung, daß es dir nicht um meine Tochter, sondern nurum ihr Vermögen zu thun sey, doch nicht betrogen. DemHimmel sep Dank, daß mein Kind und mein Geld noch