->-§> 218 <§»-
Demungeachtet hatte Lottchen wenig Lust, ein mitter-nächtliches Gutachten von der Dame des Waldes einzu-holcn. Endlich entschloß sie sich doch, weil Mutter Bri-gitte hoch und theucr versicherte, daß ihr nicht anders zurathen und zu Helsen ftp.
Beim Abschiede bot Lottchen der Wahrsagerin ein Ge-schenk. Sie nahm es aber durchaus nicht an, und behieltsich blos vor, es selbst abzuholen, sobald die Aussprüchedes Waldweibes eine glückliche Wirkung gehabt hätten.
Gegen Mitternacht ging das junge leidende Weib aufdas beschriebene Gehölz zu, warf in das erste Gesträuchdrei Kieselsteine, und sprach dazu mit lauter Stimme:Waldweib, Waldweib, sag mir an, wie gefall' ich mei-nem Mann?
Nach einer kleinen, todtenstillen Pause erscholl langsamund feierlich folgende Antwort:
„Gefallen willst Du Deinem Manne? —
Wohlan, so weiche keine SpanneVom Wege guter Sitten ab!
Sey früh schon fleißig wie die Bienen,
Sonst sinkt Dein Hausstand in Ruinen,
Und diese sind der Liebe Grab.
Gib nie durch Trotz und StachclredcnGelegenheit zu Zwist und Fehden!
Des WeibeS Schmuck ist Freundlichkeit.
Unwiderstehlich macht ihr Zauber
Den wildsten Mann zum sanften Tauber,
Der seinen Ungestüm bereut.
Folg' meinem Rath, wie Dir Dein SchattMi,
So wirst Du stets mit Deinem GattenDich höchlich wie im Himmel srcun;
Doch bist Du trag und zänkisch: Wehe,
Weh über Dich! Dann muß die EheDir eine Höll' auf Erden scyn!«