Hätte nur Lottchcn noch jetzt die Wetterstange des Nach-gebens und der Besserung ergriffen, so wäre alles gutgegangen. Allein so klug war sic nicht. Der Blitz schlugdaher von Zeit zu Zeit immer fürchterlicher bei ihr ein.Welch ein Abstand gegen die Zeiten, da ihr gegenwärtigerZuchtmcistcr ihr licbeflehcnder Sklave war!
Lange sann sie hin und her auf Mittel, sich aus dieserunerträglichen Lage zu retten. Endlich kam sie auf denEinfall, sich an Mutter Brigitten, eine sogenannte klugeFrau, zu wenden, die weit und breit im Rufe stand, daßsie Träume deuten, verborgene Dinge durch Kartenschla-gen entdecken, und aus der Hand und Taffe wahrsagenkönne, auch mit Geistern in traulichem Vernehmen stehe.Lottchen ging sofort in die Hütte der Alten und hieltfolgenden Zweisprach mit ihr.
Lottchen. Mutter, ich bedarf Eurer Kunst. Ich habeeinen bösen, bösen Mann, der mich schlägt, wenn er michansieht.
Brigitte. Das ist schlimm, liebes Töchterchcn! Wielange bist du verheirathct?
Lottchen. Erst sechs Monate-
Brigitte. Und schon Zank und Streit? (Ei, ei,Kind) nimm mir's nicht übel! Du machst vielleicht selbstdurch Worte oder Werke Deinen Mann so barsch undwild?
Lottchen (errvthcnd). Nein, Mutter! Aber er ist michüberdrüßig, und nun kann ich ihm nichts recht thun.
Brigitte. Alte Klagen, die auf der Stelle, wo Dustehst, schon viele Weiber gegen mich geführt haben. Al-lein durch meine Kunst brachte ich immer heraus, daß esböse Sieben waren, die ihre Fehler und Untugenden, wo-