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12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
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nau kannte, nach Augustusburg ab. Dieser kam mit derNachricht zurück, daß sich allerdings ein Graf dort befinde,der dem Prinzen täuschend ähnlich sehe; doch glaube ernicht, daß er es wirklich stp. Hierauf wurden sofort dieDragoner abgeschickt, welche die beiden Herren abholtenund wohlbehalten nach Dresden brachten.

Nun entwickelte sich die ganze Geschichte. Im erstenVerhör sagte der Fremdling mit anständiger Freimüthig-keit:Ich bin weder der Kurprinz, noch ein Graf ausHolstein; bin nicht einmal ein Mann, sondern die Toch-ter eines armen Zeugmachers im Erzgebirge. Mein Vaterhielt mich so strenge, daß ich endlich den Entschluß faßte,mein Glück weiter zu suchen. Als ei» Mädchen zu wan-dern, war mir bedenklich; ich zog daher des Vaters Nacht-mahlskleid an und machte mich bei Nacht fort. Ganz vonGeld entblößt, mußte ich betteln. Unter dem Vorgeben,ein vertriebener Schulmeister zu scyn, erhielt ich auch voneinigen mitleidigen Edellcutcn, Beamten und Landpredigcrnmanchen Zchrpfennig, mit dem ich mich von einem Ortezum andern hinfristete. Schon wollte ich aus Ucbcrdrußdieser unstäten und flüchtigen Lebensart mich meinem Va-ter wieder in die Arme werfen, und war wirklich aus demHeimwege begriffen, als ich unglücklicher Weise zu demHerrn von Günther kam. Dieser sonst brave Mann hatteden wunderbaren Gedanken gefaßt, daß ich ein Prinz,und sogar wie ich eigentlich nun erst erfahre derKurprinz sep. Ich mochte sagen, was ich wollte; er bliebdabei und ließ mich nicht von dannen. Was sollte ichthun? Die Aussicht, eine Zeitlang fürstlich bewirthet znwerden, war für einen hungerleidenden Abenteurer, wieich, eine zu starke Versuchung. Ich unterlag ihr und bindeßwegen strafbar. Allein nie habe ich behauptet, und