Druckschrift 
25 (1852) Das gefährliche Schloß [u.a.]
Entstehung
Seite
928
Einzelbild herunterladen
 

Bezweifelt nicht mein vollkommenes Vertrauen hinsichtlichder Wahrheit Eurer Mittheilungen, so sonderbar dieselben auchsein mästen," erwiderte Lord Woodville;ich kenne Eurenfesten Charakter zu wohl, um den Verdacht zu hegen, daß Ihreinem Betrüge ausgesetzt werden könnt; ich weiß ferner, daßEure Ehre und Freundschaft Euch gleicher Weise an der Ucber-treibung dessen, was Ihr erfahren habt, verhindern wird."

Wohlan denn," sagte der General,ich will so gut wiemöglich mit meiner Geschichte fortsahren, indem ich auf EureAufrichtigkeit vertraue; aber dennoch das bestimmte Gefühlhege, daß ich lieber eine Batterie stürmen, als die verhaßtenErinnerungen der letzten Nacht mir in's Gedächtniß zurück-rufen mögte."

Er hielt wiederum an. Als er sah, daß Lord WoodvilleSchweigen beobachtete, und eine Stellung der Aufmerksam-keit angenommen hatte, begann er, wenn auch mit offenba-rem Widerwillen, die Geschichte der nächtlichen Abenteuerim tapezierten Zimmer

Sobald mich Eure Lordschaft gestern Abend verlassenhatte, legte ich meine Kleider ab und ging zu Bette; dasHolz jedoch im Kamine, welches meinem Belte beinahe gegen-über lag, brannte mit Heller und heiterer Flamme; mir sielenhundert aufregende Erinnerungen der Kindheit und Jugendein, die mir durch das unerwartete Vergnügen, Eurer Lord-schaft zu begegnen, in's Gedächtniß zurückgcrufen wurden;dieß Alles verhinderte, daß ich sogleich cinschlief. Ich mußnoch hinzufügen, daß alle meine Gedanken von gefälligerund angenehmer Art waren, da sie auf dem Gefühle beruh-ten, die Mühen und Gefahren meines Berufes auf einigeZeit mit den Genüssen des friedlichen Lebens und freund-schaftlicher so wie liebevoller Verbindungen vertauscht zu haben,die durch das Gebot in den Krieg zu ziehen, für mich abge-brochen worden waren. l

Während so angenehme Gedanken über meine Seele ka-men, und mich allmälig in Schlaf lullten, ward ich 'lötzlichdurch einen Schall gestört, welcher dem Rauschen eines seide-nen Kleides und einem Fußtritt von Schuhen mit hohen Ab-sätzen glich, als gehe eine Frau in dem Zimmer umher. Eheich den Vorhang wegziehen konnte, um nachzusehen, was die