„Sprecht eS aus, Herr, was wollt Ihr?" sagte Lady Bothwell.
„Der Elende, welcher Euch so tief gekränkt hat," begannder Fremde auf's Neue, „liegt fetzt auf seinem Todtenbette;seine Tage waren die des Elends, seine Nächte schlafloseStunden der Angst — er kann nicht ohne Eure Vergebungsterben. Sei» Leben war eine ununterbrochene Buße — erwagt jedoch nicht, sich von seiner Bürde zu trennen, so langeEuer Fluch auf seiner Seele ruht."
„Sagt ihm," erwiderte Lady Bothwell mit finsterem Aus-druck, „er möge Verzeihung von dem Wesen erflehen, welcheser so tief gekränkt hat, nicht aber von einer dem JrrthumauSgcsetzten Sterblichen wie ich. Wozu kann ihm meine Ver-gebung helfen?"
„Sie kann ihm von großer Bedeutung sein," erwiderteder alte Mann; „sie kann ihm eine Vergebung verkünden, dieer alsdann von seinem Schöpfer, Mylady, und von dem Eu-rigen erflehen kann. Bedenkt, Lady Bothwell, daß auch Ihrein Todtenbett zu erwarten habt; Eure Seele muß, wie allemenschlichen Seelen, den Schrecken empfinden, vor das letzteGericht mit den frischen und schmerzenden Wunden eines nichtgeheilten Gewissens zu treten — wie würde Euch dann derGedanke quälen — „„Ich habe keine Gnade ertheilt — wiedarf ich um dieselbe flehen?""
„Mann, wer du auch sein magst," erwiderte Lady Both-well, „dränge mich nicht in so grausamer Weise. Es wäregotteslästerliche Heuchelei, würden meine Lippen die Worteäußern, gegen welche jeder Schlag meines Herzens sich auf-lehnt. Bei ihnen würde sich die Erde öffnen, um die ver-welkte Gestalt meiner Schwester — die blutige Gestalt mei-nes gemordeten Bruders zu entsenden — ihm vergeben?niemals."
„Großer Gott!" rief der alte Mann, indem er die Händeemporhielt, „so also, so also gehorchen die Würmer, welchedu aus dem Staube erschufst, den Befehlen ihres Schöpfers?Lebe wohl, stolzes und erbarmungsloses Weib! Frohlocke,daß du zu einem Tode in Mangel und Schmerzen die Peinreligiöser Verzweiflung, hinzugefügt hast; niemals aber wiederverhöhne den Himmel durch ein Gesuch um die Verzeihung,welche du zu gewähren dich weigertest."