720
wenn Ihr mir noch so viel schenktet? Geht fort, so langeich ärgerlich bin." — Die Thränen glänzten in den Augen
des alten Mannes — „wenn ich wieder mit Euch zufrieden
wäre, so würde ich nicht wissen, wie ich von Euch scheidensollte.«
Der Abschied, den Middlemas von der armen Menie
nahm, war noch rührender. Ihr Kummer rief in seiner
Seele wieder die Lebhaftigkeit der ersten Liebe hervor; er be-freite seinen Charakter vom Vorwurfe einer unaufrichtigenAnhänglichkeit, indem er nicht allein um augenblickliche Ver-heirathung flehte, sondern sogar so weit ging, den Vorschlagzu machen, daß er auf seine glänzenderen Ausfichten verzich-ten und Herrn Gray's demüthigen Beruf theilen wolle, wenner dadurch die Hand seiner Tochter -sich erwerbe. Obgleichaber Menie Gray durch dieß Zcugniß von der Treue ihresLiebhabers getröstet wurde, war sie nicht so unklug, ein Opferanzunehmen, das er nachher hätte bereuen können.
„Nein, Richard," sagte sie, „es nimmt selten ein glück-liches Ende, wenn man, im Augenblick erregter Gefühle, Pläneändert, welche mit reiflicher Ueberlegung gefaßt wurden. Ichhabe lange bemerkt, daß Eure Absichten weit über eine sodemüthige Stellung hinaus gingen, als dieser Ort sie Euchverheißt. Geht also fort, um Reichthum und Rang zu suchen,vielleicht ändert sich Euer Herz bei der Verfolgung diesesZieles. In diesem Fall denkt nicht mehr an Menie Gray.Wenn es aber anders ist, so können wir uns wieder sehenund glaubt, daß Menie Gray's Gefühle gegen Euch sich keinenAugenblick verändern werden."
Bei dieser Unterredung wurde mehr gesagt, als hier zuwiederholen nothwendig ist, und noch mehr gedacht, als wirk-lich gesagt.